Warum wählen Arbeiter die AfD?

Shownotes

Viele Arbeiter wählen die AfD. Der Anteil ist deutlich höher als im Rest der Bevölkerung. Das Paradoxe: Gerade die Menschen mit wenig Geld würden von den Änderungen, die die AfD anstrebt, überhaupt nicht profitieren. Dieses Paradox erklärt der Politikwissenschaftler Tobias Kaphegyi in dieser Folge. Er ist Gewerkschaftssekretär, Politologe und promoviert gerade zu diesem Thema. Argumente gegen rechtes Gedankengut gibt es beim Training „Stammtischkämpfer*innen“: www.aufstehen-gegen-rassismus.de

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00:00:00: * Musik *

00:00:02: Ja, also Arbeiter wählen zu großen Teilen AfD.

00:00:06: * Musik *

00:00:08: Die haben sich ein Stück weit unterworfen

00:00:10: und glauben, dass sie heutzutage mehr haben,

00:00:13: wenn sie sich in ihrem nationalen Kollektiv

00:00:16: einem starken Führer unterworfen.

00:00:18: * Musik *

00:00:19: Jeder kennt es inzwischen, Familien fest und irgendein Onkel

00:00:23: fängt an, dass er heute niemand mehr arbeiten will

00:00:26: und die ganzen Ausländer sowieso nicht,

00:00:28: dass man da wenigstens schon mal sowas sagt wie du.

00:00:31: Ich bin da ganz andere Meinung.

00:00:33: * Musik *

00:00:34: "Kabum", der Podcast der katholischen Arbeitnehmerbewegung

00:00:37: für ein christliches Miteinander in der Arbeitswelt.

00:00:40: Denn Arbeit bewegt Zukunft.

00:00:42: * Musik *

00:00:43: Hallo und herzlich willkommen zu "Kabum".

00:00:46: Die Bundestagswahl steht vor der Tür

00:00:49: und wohl noch nie war der Wahlkampf

00:00:52: so von Populismus geprägt wie in diesem Jahr.

00:00:54: Trotzdem wählt die große Mehrheit der deutschen Parteien,

00:00:58: die auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen.

00:01:02: Allerdings ist das nicht ganz gleichmäßig

00:01:04: über die Bevölkerung verteilt.

00:01:06: Das bestimmte Schichten bestimmte Parteien wählen,

00:01:09: das war ja eigentlich schon immer so.

00:01:11: Denn früher war ja zum Beispiel Arbeiterklasse, Gewerkschaft, SPD.

00:01:15: Da gibt es viele Überschneidungen.

00:01:17: Aber in den letzten Jahren hat sich da etwas grundsätzlich verändert.

00:01:21: Denn große Teile der Arbeiterklasse wählen heute die AfD.

00:01:26: Obwohl sie wahrscheinlich diejenigen sind,

00:01:28: die am meisten darunter leiden würden,

00:01:30: wenn die Forderungen der Partei tatsächlich umgesetzt werden würden.

00:01:34: Diese paradoxe Situation wollen wir uns heute erklären lassen.

00:01:37: Von Tobias Kaffeghi. Ich grüße Sie.

00:01:39: Hallo.

00:01:40: Sie sind Gewerkschaftssekretär der Region NECA-Alb-Obere-Donau.

00:01:45: Also weit weg von München.

00:01:47: Und deshalb treffen wir uns auch digital.

00:01:50: Und deshalb klingen wir vielleicht auch etwas anders als sonst hier im Podcast.

00:01:54: Herr Kaffeghi, Sie sind aber nicht nur Gewerkschafter,

00:01:56: Sie sind Politikwissenschaftler.

00:01:58: Und Sie promovieren gerade zum Thema Wirtschafts- und sozialpolitische Einstellungen

00:02:02: von Arbeiter*innen, die AfD wählen.

00:02:06: Das muss man sich ja wirklich mal kurz auf der Zunge zergehen lassen.

00:02:08: Sie versuchen also quasi zu erklären, warum die das tun, also AfD wählen.

00:02:11: Und da muss ich jetzt erstens auch mal die Frage stellen,

00:02:14: tun die das denn wirklich?

00:02:16: Ja, also Arbeiter wählen zu großen Teilen AfD.

00:02:21: Also jetzt in Thüringen zum Beispiel, bei der letzten Landtagswahl

00:02:25: haben 49 Prozent derjenigen, die sich selber als Arbeiter definieren,

00:02:30: also in solchen Nachwahlbefragungen.

00:02:33: Da befragt man quasi Leute, die aus der Wahlkabine kommen,

00:02:36: was sie gewählt haben und was sie arbeiten.

00:02:40: Und da können die sich selber einstufen,

00:02:43: als angestellte Unternehmer, Arbeiter oder zum Beispiel Rentner.

00:02:47: Das sind diese typischen Nachwahlbefragungen,

00:02:50: die wir dann im ZDF sehen oder in der ARD,

00:02:53: zum Beispiel von Forschungsgruppewahlen, die machen das immer für das ZDF.

00:02:57: Und da haben zum Beispiel bei der letzten Landtagswahl in Thüringen

00:03:01: haben 49 Prozent der Arbeiter,

00:03:04: also die sich selber als Arbeiter einstufen, haben gesagt,

00:03:07: ich habe die AfD gewählt.

00:03:09: Und um jetzt nicht immer nur zu sagen, das ist im Osten so.

00:03:13: Genau.

00:03:14: Bei der letzten Landtagswahl in Hessen waren es 40 Prozent,

00:03:17: also ein bisschen weniger noch.

00:03:19: Aber das sind natürlich gewaltige Zahlen

00:03:22: von Arbeiterinnen und Arbeiter, die da AfD wählen.

00:03:26: Sie haben ja für ihre Doktorarbeit jetzt auch schon eine Menge geforscht.

00:03:31: Sie haben, man nennt das mal, qualitative und quantitative Untersuchungen gemacht.

00:03:35: Das heißt, sie haben mal länger mit einzelnen Menschen gesprochen

00:03:39: und sie haben halt auch einfach so Fragebogen mit ankreuzen

00:03:42: und wie viele Leute antworten, was gemacht.

00:03:45: Und haben dabei ja so einen gewissen Einblick bekommen.

00:03:48: Wie ich am Anfang auch schon gesagt habe,

00:03:50: total unlogisch als Mensch, der wenig Geld zur Verfügung hat,

00:03:54: die AfD zu wählen.

00:03:55: Weil wenn die da wirklich umsetzen würden, was die versprechen,

00:03:57: hätten genau diese Leute am Ende weniger Geld.

00:04:00: Was versprechen sich die Menschen davon, diese Partei zu wählen?

00:04:03: Ja, was versprechen sich die Menschen davon?

00:04:05: Das ist eine ganz wichtige Frage,

00:04:07: weil dieses "Was versprechen sich Menschen davon?"

00:04:11: spielt ja an auf so eine Rationalität.

00:04:14: Also wie wenn Wahlentscheidungen immer sehr stark abhängig davon sind,

00:04:19: ob ich da mehr Geld kriege oder bessere Lebensbedingungen.

00:04:24: Also das ist so die rationelle Wahlentscheidung.

00:04:28: Das spielt schon auch eine Rolle bei Wahlentscheidungen.

00:04:30: Aber es gibt da auch eine Menge Forschung dazu.

00:04:33: Und ich glaube, was entscheidender ist,

00:04:34: Wahlverhalten ist sehr stark abhängig von dem bestimmten Weltbild.

00:04:39: Und wiederum dieses Weltbild beinhaltet ganz viel.

00:04:42: Also Vorstellungen über die Welt, wie funktioniert die?

00:04:46: Und welche Werte entstehen daraus?

00:04:49: Also was ist wichtig in dieser Welt?

00:04:51: Da entsteht dann übrigens auch eventuell eine ganz andere Agenda

00:04:56: von "Was ich mehr hab?" zum Beispiel oder...

00:05:00: Ich überleg gerade, das ist ja bei den anderen Parteien auch nicht anders.

00:05:02: Also ich habe es gerade mal abgeglichen, wenn jemand die grünen Welt,

00:05:05: dann hat das auch mit dem Weltbild zu tun, mit dem Weltbild,

00:05:08: dass jemand möchte, dass die Schöpfung bewahrt wird,

00:05:11: sag ich jetzt mal als Christian,

00:05:13: oder dass es eine Gerechtigkeit gibt auf der Welt.

00:05:15: Das ist ja auch ein Weltbild, das man abgeleicht an dem Wahlprogramm.

00:05:20: Genau so ist das, weil den Grünen wäre das eben Ökologie,

00:05:23: weil der wichtigste Wert für die Grüne wäre eben eine gesunde Natur.

00:05:27: Wenn die jetzt über den Klimawandel sich verändert und kaputt geht,

00:05:31: dann stehen die Lebensgrundlagen infrage.

00:05:33: Also so sieht ein Grüner die Welt.

00:05:36: Deshalb stellt er ja die Bekämpfung des Klimawandels auch relativ hoch.

00:05:40: Oder wenn jemand aus einer eher linken Tradition kommt,

00:05:44: dann geht es ihm um Gleichheit.

00:05:46: Also in der Politologie sagt man immer die Unterscheidung zwischen links und rechts,

00:05:51: dass Menschen, die politisch nach rechts gehen,

00:05:55: haben eher den Wert, dass es eben in der Welt ungleich zugeht,

00:05:59: und dass diese Ungleichheit aber im Sinn macht und wichtig ist.

00:06:03: Und dass man die ja teilweise verteidigen muss.

00:06:06: Und links sind eher Menschen, die sagen,

00:06:08: wir brauchen mehr Gleichheit, die über mehr Demokratisierung

00:06:11: erkämpft werden muss.

00:06:13: Und diese höhere Gleichheit bringt der Welt.

00:06:16: Da war sie eine höhere Lebensqualität,

00:06:18: weniger Auseinandersetzungen, weniger Kriege und Kämpfe.

00:06:22: Während eben konservative oder rechte Politikrichtungen sagt,

00:06:25: na, die Ungleichheit ist schon richtig so.

00:06:28: Sonst entsteht Chaos oder Dekadenz oder so was.

00:06:32: Wenn es in Richtung Faschismus geht,

00:06:33: bei denen wird dann oft Gleichheit, wird dann zur Dekadenz oder so.

00:06:37: Wenn der Feminismus sich durchsetzt,

00:06:40: kriegen die Frauen keine Kinder mehr und folgen nicht mehr.

00:06:43: Und dann entsteht da die Dekadenz.

00:06:45: Ja. - Ganz komisch.

00:06:46: Erscheinungsformen, so ist es dann eben quasi im Faschismus.

00:06:50: Und so kann man das auf den politischen Richtungen einteilen.

00:06:55: Ja, und wenn man das eben beobachtet,

00:06:58: dann glaube ich, haben die Arbeiter, die AfD wählen,

00:07:02: haben ein ganz anderes Weltbild,

00:07:05: wie früher die Arbeiter, die noch SPD gewählt haben.

00:07:08: Ich glaube, Arbeiter, die AfD wählen,

00:07:11: haben diese Gerechtigkeitsmomente in einer gewissen Weise abgelegt

00:07:16: bzw. haben die modifiziert.

00:07:19: Die glauben immer dran, dass die Arbeiterklasse

00:07:21: selber sich diese Gerechtigkeit gegen andere erkämpfen muss.

00:07:26: Die glauben dann nicht mehr dran, dass so was möglich ist,

00:07:29: sondern die haben sich ein Stück weit unterworfen

00:07:32: und glauben, dass sie heutzutage mehr haben,

00:07:35: wenn sie sich in ihrem nationalen Kollektiv

00:07:38: einem starken Führer unterworfen

00:07:40: oder einer starken Richtung, die die Nation stark macht,

00:07:44: damit sich die Nation möglichst stark gegen andere durchsetzt.

00:07:48: Und dann fällt es meiste für sie ab.

00:07:51: Und die glauben nicht mehr dran, dass in diesem Kollektiv

00:07:55: quasi so eine soziale Gerechtigkeit hergestellt worden soll.

00:08:00: Weil sie glauben, das führt zu nichts diese Demokratisierung,

00:08:04: sondern die glauben dann lieber hierarchischer,

00:08:07: irgendwie die Ordnung ist klar

00:08:09: und jeder tut an seiner Stelle am meisten für die Nation.

00:08:14: Und dann kommt die Nation nach vorne

00:08:16: und dann hat man insgesamt Feldern auch für die Arbeiter mehr Abtefunde.

00:08:20: Wenn ich Sie am Anfang richtig verstanden habe,

00:08:22: ist es so, dass die das auch ganz richtig finden,

00:08:25: dass Menschen unterschiedlich viel haben.

00:08:27: Genau, das war das erschaunliche auch für mich,

00:08:29: weil die Arbeitssoziologie eigentlich zeigt,

00:08:32: dass Arbeiter zwar schon immer so ein Leistungsgerechtigkeitsideal,

00:08:38: weil sie eben sehr viel von der körperlichen Arbeit herkommen,

00:08:41: also wer mehr arbeitet, soll mehr bekommen.

00:08:44: Und früher war das eben von der linken Seite politisiert

00:08:49: und da richtete sich quasi dieses Verlangen nach Gerechtigkeit,

00:08:53: richtete sich gegen die, die mehr haben, die die Fabriken besitzen

00:08:57: und so weiter, das man gesagt hat.

00:08:59: Wir als Arbeiter, wir schaffen hier alles,

00:09:02: wir brauchen auch deswegen einen größeren Anteil.

00:09:05: Und ich glaube, dass dessen Stück weit sich gedreht hat.

00:09:10: Und jetzt die eher sagen, ja, über die Globalisierung,

00:09:15: wir müssen gucken, dass wir als Standort irgendwie wegbewerbsfähig sind.

00:09:21: Also es wurde viel internalisiert,

00:09:23: was in den letzten 20, 30 Jahren in der Arbeitswelt

00:09:27: über Globalisierung, über neoliberale Reformen und so weiter

00:09:31: eingeführt wurde.

00:09:32: Der Wettbewerbs-Beschropper ist existenzieller.

00:09:35: Und ich glaube, das haben die Leute sehr stark

00:09:37: in ihren Alltagsetos internalisiert.

00:09:40: Und die glauben nicht mehr daran,

00:09:42: dass so eine Umverteilung innerhalb der Nation was bringt.

00:09:46: Und die AfD greift es auf, also der völkische Flügelgrad von Höcke,

00:09:50: zum Beispiel, der hat in vielen Reden schon betont,

00:09:53: der sagt, die neue soziale Frage ist nicht die zwischen oben und unten,

00:09:58: sondern die zwischen ihnen und außen.

00:10:01: Also dass diese AfD-Arbeiter viel starker auf eine starke Nation wird setzen

00:10:07: und nicht mehr auf eine offene Gesellschaft,

00:10:09: wo eben die Fraktion der Beschäftigten und Lohnabhängigen

00:10:13: über Gewerkschaften für ihre Sache kämpfen muss,

00:10:16: sondern die glauben jetzt eher daran, wie mit Höcke quasi,

00:10:19: dass viel zu viel nach außen verteilt wird

00:10:23: und sie auf ihrem Platz, wo man sie hinstellt,

00:10:25: kämpft für eine starke Nation.

00:10:27: Und dann warten sie darauf, dass man von oben her

00:10:30: sie belohnt dafür.

00:10:32: Dass dann also so ein paar Krümel abfallen für sie.

00:10:35: Genau.

00:10:36: Weil sie die Erfahrung gemacht haben in den letzten Jahrzehnten

00:10:40: im Zuge der zunehmenden Globalisierung,

00:10:44: dass es immer enger geworden ist für die Arbeiterklasse,

00:10:47: sagt man, Mensch, so scheint es ja nicht zu funktionieren.

00:10:50: Jetzt stärken wir mal unsere Wirtschaft und sehen zu,

00:10:54: dass die reichen Menschen gut verdienen,

00:10:57: weil dann können sie uns zumindest, zumindest uns bezahlen.

00:11:00: Und wir gucken dann mal, wer dazu gehören soll.

00:11:02: Genau, das Spannende ist ja, dass total diese Trickledown-Theorie

00:11:07: Neoliberalismus entspringt.

00:11:09: Also da wird ja auch ...

00:11:11: Trickledown heißt ...

00:11:13: Wie bitte? - Trickledown heißt?

00:11:15: Trickledown ist rieselt so durch.

00:11:17: Und dann je mehr halt oben Business gemacht wird,

00:11:20: umso mehr Riesel dann auch unten zu dehnen, unten durch.

00:11:23: Und da muss man sich dann halt begrügen

00:11:25: mit dem, was da durch rieselt.

00:11:27: Und das ist schon ganz spannend.

00:11:29: In den Interviews gibt es dann so Passagen, zum Beispiel,

00:11:31: sagt so eine AfD-Arbeiter, ja, diese Globalisierung,

00:11:34: da hat man ja als kleiner Mann nichts davon.

00:11:37: Wenn, dann haben die Unternehmen was davon.

00:11:39: Aber das ist halt so.

00:11:40: Und das große Problem sind die Lohnkosten.

00:11:44: Also sie trämen sich selber immer als Problem.

00:11:47: Und wenn ich das eben vergleiche,

00:11:49: mit meiner Vergleichsgruppe mit Interviews,

00:11:51: jetzt nehmen wir mal Arbeiter, die CDU wählen,

00:11:54: dann sind die oft so ein bisschen fitter in Bezug auf den Spielraum,

00:11:58: den ihr eigener Betrieb hat.

00:12:00: Da haben so ein bisschen mehr Einblick noch.

00:12:03: Was geht, was geht nicht.

00:12:05: Sind da mehr involviert, geben ein bisschen weniger Plattitüden.

00:12:08: Also so was wie ...

00:12:09: Das ist halt so in der Globalisierung von sich.

00:12:12: Also das fand ich total spannend,

00:12:14: dass die eine realistischere Einschätzung haben.

00:12:16: Und Arbeiter, die CDU wählen, haben viel stärker so ein Gefühl

00:12:20: von Normalität, wenn sie mal streiken.

00:12:23: Die sagen auch, ja, dann braucht es eine Gegenmacht,

00:12:26: auch so Unternehmensseite in diesen Kapitalismus,

00:12:29: braucht es da auch eine Gegenmacht.

00:12:31: Das macht Sinn, sonst kommt da immer weniger bei uns an.

00:12:34: Und über den Betriebsrat kann man da mitmischen

00:12:37: und bekommt Einblick auch in den Betrieb.

00:12:41: Das sind wir bei dem Punkt Gewerkschaft,

00:12:42: das ich eben auch festgestellt habe in den Interviews,

00:12:45: dass diese AfD-Nahnenarbeiter sich sehr schwer tun mit Gewerkschaft.

00:12:50: Sie sind oft drin, so aus Sicherheitsgedanken,

00:12:53: aber sie streiken ganz wenig, sie tun sich wahnsinnig schwer,

00:12:57: sich gegen ihren Chef zu stellen. - Aufzulehnen, ja.

00:13:00: Also die autoritäre Prägung ist sehr deutlich.

00:13:04: Einer hat das mal auf den Punkt gebracht, dem Interview,

00:13:07: weil ich ihn gefragt habe, was Solidarität für ihn bedeutet.

00:13:09: Ich sage, Solidarität, nee, man muss mal irgendwas abgeben.

00:13:13: Irgendjemand, der nicht schafft für ihn ist Loyalität,

00:13:16: ist ein wichtiger Punkt, um zwar gegenüber dem Unternehmung.

00:13:20: Okay, haben Sie bei Ihren Interviews,

00:13:23: sind Sie da zufällig auch über SPD-Menschen gestolpert?

00:13:28: Genau, also SPD-Lah hat ich auch in der Vergleichsgruppe.

00:13:31: Also ich hatte vor allem AfD-Wähler, eine größere Gruppe,

00:13:35: aber ich habe mir mit Absicht noch mal eine Vergleichsgruppe auch gesucht.

00:13:39: Ich habe da auch noch mal Leute interviewt und bei SPD-Nahen arbeiten.

00:13:43: Wir haben dann oft noch einen Stahlbock,

00:13:45: linkspolitisiertes Verständnis von Gerechtigkeit.

00:13:49: Also, dass die da oben abgeben sollten, an die unten.

00:13:53: Was ja die klassische Gewerkschaftssicht auch ist.

00:13:56: Nur der Vollständigkeit halber, waren auch Grüne dabei,

00:13:58: die Sie befragt haben?

00:13:59: Die Grüne habe ich jetzt keine gefunden.

00:14:01: Ich habe jetzt auch nicht so ein Riesen-Sempel,

00:14:04: sondern das ist ja die Vorstudie,

00:14:07: die ich dann noch quantitativ abtesten will.

00:14:10: Von daher muss ich jetzt auch keine 2.000 Leute interviewen,

00:14:13: sondern beim qualitativen Forschenden mit den Interviews

00:14:17: und so geht es auch um das Verstehen.

00:14:19: Und da gibt es eigentlich keine Festlegungen,

00:14:21: wie viele man machen muss.

00:14:22: Ich hatte dann am Ende so 15, 20 Stück Interviews- und Feldbeobachtungen.

00:14:27: Also ich war in Kreisverbänden der AfD.

00:14:31: Genau, das ist nämlich der nächste spannende Punkt.

00:14:34: Sie haben nicht einfach irgendwelche Arbeiter irgendwo befragt,

00:14:37: sondern Feldstudien.

00:14:38: Feldstudien heißt, sie waren tatsächlich auf rechten Demos.

00:14:42: Und wir haben damit Menschen gesprochen.

00:14:44: Also im Haupt 2022 war ich auch auf diesen sogenannten heißen

00:14:49: Hauptdemos, die die AfD da ausgerufen hat.

00:14:52: Und ich habe auch da mit den Menschen gesprochen.

00:14:55: Und ich war auch in Ostdeutschland und Westdeutschland.

00:14:57: Und ich habe danach Interviewpartnern gesucht.

00:15:00: Ich bin auf die DM-Hospice zum nächsten um Interviewpartnern zu suchen.

00:15:03: Aber ich habe dann auch da Beobachtungsprotokolle,

00:15:06: weil das einfach so spannend gemacht und benutzt die jetzt auch

00:15:10: für meine empirische Arbeit.

00:15:12: Weil auf den Demos ich dann schon auch massiv mit Verschwörungstheorien

00:15:18: konfrontiert war.

00:15:19: Genau, das fand ich nämlich sehr spannend.

00:15:21: In den Folien, die Sie mir von Ihren Vorträgen zur Verfügung gestellt haben,

00:15:25: da hatten Sie ja auch ein paar Zitate da drin,

00:15:27: die einfach nur absurd klingen.

00:15:30: Vielleicht möchten Sie da mal das ein oder andere zum Besten geben,

00:15:33: wo man sich fragt, wie kann jemand das unterstützen?

00:15:36: Wenn ein Ingenieur oder so zu einem kommt und erzählt an,

00:15:41: dann wirklich, dass man bei der Corona-Impfung Chips gespritzt kriegt

00:15:45: unter die Haut, mit der man dann manipulierbar wird

00:15:49: oder sich in den Maschinen Menschen verwandeln kann.

00:15:52: Das war für mich dann auch so ein bisschen,

00:15:54: wo ich dachte, ich kann so ein technisch versierter,

00:15:57: ausgebildeter Mensch wirklich sowas glauben.

00:16:00: Und das fand ich total spannender Punkt,

00:16:02: weil ich glaube, da marken das Verschwörungstheorien

00:16:06: für die Menschen einen ganz wichtigen Effekt bilden.

00:16:09: Also mein Eindruck ist, oder meine Theorie zu wären,

00:16:13: dass wenn ich die neoliberale globalisierte Ökonomie

00:16:17: wirklich so begreift, dass ich da immer weniger Handlungsräume habe,

00:16:22: wo ich selber auch für mich was machen kann

00:16:25: und immer dann abhängig bin, zum Beispiel vor meinem Unternehmen

00:16:29: von der deutschen Wirtschaft, von unserer Fitness im Standortwettbewerb.

00:16:33: Das sind alles Dinge, die ich gar nicht beeinflussen kann

00:16:35: als kleiner Arbeiter, sage ich mal so.

00:16:38: Und je mehr ich wenige eigene Handlungsautonomie habe,

00:16:41: umso mehr brauche ich ein Verständnis der Welt,

00:16:45: wo ich mich selber in ein besseres Licht rücken kann.

00:16:49: Weil wenn die diesen neoliberalen Alltagsetos

00:16:52: verinnerlicht haben,

00:16:54: da geht es ja sehr viel um die eigene Autonomie,

00:16:57: um individuelle Stolke, um sich wirtschaftlich durchzusetzen.

00:17:02: Sie müssten sich ja eingestehen,

00:17:03: dass sie ganz abhängig, ganz unindividualistisch

00:17:07: eigentlich eine schwache Rolle haben im System.

00:17:10: Und da muss ich das irgendwie auch drehen.

00:17:13: Und ich glaube, daher kommen die Geschichten.

00:17:16: Weil in den Geschichten sind sie selber dann auf einmal ganz andere Menschen.

00:17:21: Sie sind die, die durchblicken alles.

00:17:24: Sie sind keine Schlafschafe.

00:17:26: Sie werden sich massiv auf

00:17:28: und sind die, die in der Zukunft,

00:17:31: wenn die AfD die Macht ergriffen hat

00:17:34: oder die Rechtsextremen die Macht ergriffen haben,

00:17:37: dann sind sie die kommende Elite quasi.

00:17:40: Und das spürt man sehr stark.

00:17:42: Weil sie den Durchblick haben.

00:17:43: Ja, genau, weil sie den Durchblick haben.

00:17:46: Und weil sie richtig ethisch richtig leben.

00:17:49: Also sie bringen Leistung.

00:17:51: Sie erfüllen ihre Aufgabe, wo man sie hinstellt,

00:17:54: ohne groß für sich zu kämpfen quasi.

00:17:58: Und ich glaube, dass sie sich als sowas sehen

00:18:00: wie die kommende dominante Bevölkerungsgruppe.

00:18:03: Und das wertet die dann massiv auf, glaube ich.

00:18:06: Nach einer, wie auch immer, gearteten Revolution,

00:18:09: wobei Revolution, glaube ich, ein linker Begriff ist?

00:18:12: Aber ist da gar nicht falsch.

00:18:14: Also es gibt zum Beispiel von Allensbach,

00:18:16: gibt es eine Befragung, da lautet die Frage,

00:18:19: sind Sie der Ansicht,

00:18:20: dass es so mit unserem jetzigen politischen System

00:18:23: nicht weitergeht, dass wir vor einer Krise stehen

00:18:25: und unbedingt das System ändern müssen.

00:18:28: Und da wird man denken, ja klar, also so wirklich

00:18:30: einen deutlichen Umbruch, da wird man denken, klar,

00:18:34: da ist die Linkspartei, oder so, oder die Leute,

00:18:37: die Revolution wollen von der linken Seite her,

00:18:40: nee, da stimmen Linke eben nur zu 24 Prozent zu.

00:18:44: Und die AfD-Anhänger sind eigentlich die einzige Gruppe,

00:18:47: die das politische System wirklich grundlegend verändern will,

00:18:51: das demokratische und zwar mit 62 Prozent,

00:18:54: und da sind nur acht Prozent,

00:18:56: wollen dieses politische System so nicht ändern.

00:18:59: Wahnsinn.

00:19:00: Also wo man nochmal deutlich sieht,

00:19:02: also dass das keine harmlose Bewegung ist,

00:19:05: es ist auch keine Verklärung der Wirtschaftswunderjahre,

00:19:08: wie man oft sieht, oder nur alleine kulturelle Rebellion

00:19:12: gegen zu viel Gender oder so.

00:19:14: Sondern ich glaube, da ist schon eine tiefere autoritäre Haltung,

00:19:21: die wirklich revolutionär auch was Neues anstrebt.

00:19:24: Da wird einem Angst und Bange.

00:19:27: Aber die AfD gibt sich noch immer den Anstrich

00:19:30: einer demokratischen Partei, hat deshalb auch

00:19:32: einen Wahlprogramm aufgelegt,

00:19:34: wenn man sich das jetzt mal anschaut und durchrechnet,

00:19:38: was würde das denn vor allem für diese Arbeiterklasse bedeuten,

00:19:41: wenn die Alldast umsetzen würden, was da drin steht?

00:19:44: Oder ein paar Beispiele,

00:19:46: also fangen wir mal mit dem Portemonnaie an.

00:19:49: Genau, fangen wir mit dem Portemonnaie an,

00:19:51: das ist wahrscheinlich das Wichtigste,

00:19:52: die Steuerpolitik, die Sie vorschlagen.

00:19:55: Und Sie schlagen ja einen ziellichen Kahlschlag

00:19:57: auf der Einnahmenseite des Steuerstaates vor.

00:20:01: Also Abschaftsteuer, nie mehr einsetzen,

00:20:04: Vermögensteuer, alles abschaffen, was eh ausgesetzt ist,

00:20:07: aber den Soli abschaffen, alle möglichen Steuern abschaffen.

00:20:12: Und das bedeutet zum einen,

00:20:13: einen totalen Kahlschlag auf der Einnahmenseite

00:20:16: des Steuerstaates, und wir sehen ja jetzt schon,

00:20:18: dass über die Schuldenbremse die letzte Regierung ist daran zerbrochen,

00:20:23: dass man ja dringend investieren muss.

00:20:25: Und wenn die AfD sich mit ihrer Steuerpolitik durchsetzen würde,

00:20:30: wäre das ein massiver Kahlschlag,

00:20:32: da würden gar keine Investitionen mehr möglich.

00:20:35: Da könnte man wahrscheinlich kaum noch die eigenen Beamten bezahlen,

00:20:38: will sagen, Schulen machen wir mal zu.

00:20:40: Genau, das würde immer schwieriger werden, ja.

00:20:43: Das ist ganz witzig, zum Beispiel,

00:20:44: weil die AfD zum Beispiel vorschlägt,

00:20:47: da blinden sie wieder in Richtung Arbeiter,

00:20:50: weil das den sehr wichtig ist.

00:20:51: Das Rentenniveau wieder auf 70 Prozent erhöhen,

00:20:55: wäre natürlich eine gute Sache in Österreich.

00:20:57: Haben wir ja so hohe Rentenniveaus in die Richtung,

00:21:01: die kriegen das ja auch finanziert,

00:21:03: aber das kriege ich ja entweder nur in unserem System,

00:21:06: in dem ich die Arbeit, also die Nebenkosten,

00:21:09: der von Lohnarbeit erhöht,

00:21:11: dass die Rentenbeiträge steigen.

00:21:14: Oder ich erhöhe den Steuerzuschuss des Staates.

00:21:17: Da kann ich auch nichts erhöhen, wenn ich vorher den Staat

00:21:20: quasi auf der einen Seite ganz klein gemacht habe,

00:21:23: dann kann man hier keine Rente.

00:21:25: Also das ist auch total unseriös.

00:21:27: Wenn Sie dann mal was versprechen

00:21:30: in Richtung arbeitende Bevölkerung,

00:21:32: weil diese Arbeitsfetisch ganz wichtig ist,

00:21:34: dann pflegen Sie auch.

00:21:36: Also, das gab ja auch mal eine Entscheidung für den Mindestlohn

00:21:39: in der AfD.

00:21:40: Sie lehnen jetzt immer im Parlament ab,

00:21:42: ihn weiter zu erhöhen.

00:21:44: Aber es gab mal vor drei Jahren die Entscheidung für den Mindestlohn.

00:21:48: Jetzt wäre auch die Frage auf dem letzten Parteitag in Riesa,

00:21:51: haben sich sehr stark wieder Neoliberale durchgesetzt

00:21:54: in der Arbeits- und Sozialpolitik.

00:21:57: Aber diese massive Zerstörung der Einnahmenseite wäre heftig.

00:22:00: Und jetzt gibt es vom Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung.

00:22:04: In Mannheim gibt es eine schöne Studie.

00:22:06: Die hat jetzt mal die Steuerpolitik ausgerechnet,

00:22:08: was das im Geldbeutel konkret bedeuten würde,

00:22:11: wenn das umgesetzt worden würde.

00:22:13: Und da ist eben die AfD, die Partei,

00:22:15: die fast nur stärker wie die FDP, die ganz reichen Leute,

00:22:19: also da klingelt es im Geldbeutel, wenn die AfD sich durchsetzt,

00:22:24: nicht nur wenn die FDP sich durchsetzt.

00:22:26: Und auf der bei den Arbeitern kommt da nicht viel rum.

00:22:31: Ganz abgesehen davon, dass alle Parteien immer nur

00:22:34: irgendjemand was geben wollen.

00:22:36: Außer muss man fairerweise sagen, die Linkspartei,

00:22:39: die auch sagt, wo es herkommen soll.

00:22:42: Also wem sie was wegnehmen wollen,

00:22:44: natürlich linksparteimäßig den Reichen, quasi.

00:22:47: Aber bei den anderen, die geben nur, wo man dann auch nicht weiß,

00:22:51: wo soll das dann herkommen.

00:22:53: Bei der AfD wurden halt die Reichen da sehr starrt.

00:22:56: Profitieren. - Ja, genau.

00:22:57: Was auch noch ein ganz wichtiger Punkt wäre eigentlich für Arbeiter,

00:23:01: wäre auch der Angriff auf die Gewerkschaften.

00:23:03: Also, das kann man sicher auch immer anhören

00:23:06: in den Videos aus dem Bundestag, wenn Jürgen Pol,

00:23:09: also der spricht immer über ein Thema Arbeitspolitik im Bundestag.

00:23:13: Und der weist in fast jeder Rede darauf hin,

00:23:16: dass er den Tarifvorbehalt der Gewerkschaften abschaffen will.

00:23:20: Und der Tarifvorbehalt abschaffen,

00:23:22: das ist das Recht der Gewerkschaften, Flächentarife auszuhandeln.

00:23:26: Wenn ich das gesetzlich abschafft,

00:23:28: dann ist eine Gewerkschaft eigentlich quasi

00:23:32: niemals sehr handlungsfähig.

00:23:33: Man könnte da nur noch im Häuserkampf in jedem Betrieb

00:23:36: Tarifverträge aushandeln.

00:23:38: Und das sagt Jürgen Pol auch, das will er so,

00:23:40: dass er eben Betriebsräte in Zukunft Tarifverträge

00:23:44: nur für jedes Haus einzeln aushandeln.

00:23:46: Aber man kann sich ja vorstellen, wie leicht jedes Unternehmen

00:23:49: gegen das andere dann ausvielbar ist.

00:23:52: Ich glaube, dass das nicht einmal in der Partitale sein geht.

00:23:55: Dann drückt man dann einmal mit den Verlust von Arbeitsplätzen

00:23:58: und dann wird der Tarif wieder nach unten angeglichen.

00:24:01: Es gibt doch aber auch so was wie Rechtsextreme oder rechte Gewerkschaften.

00:24:05: Was hat es mit denen auf sich? Was wollen die denn erreichen?

00:24:09: Genau, das ist der nächste Punkt, den die AfD seit die starke Hürkefraktion,

00:24:14: also die völkische Fraktion, sich sehr stark durchgesetzt hat.

00:24:19: Auf diesem Parteitag, wo das passiert ist,

00:24:22: wurde dann auch eben der Unvereinbarkeitsbeschluss

00:24:24: zum Beispiel mit dem Zentrum Automobil aufgehoben.

00:24:29: Das ist so eine rechte Pseudengewerkschaft.

00:24:32: Es wurde gegründet von Neonazis, zum Beispiel dem ehemaligen Sänger

00:24:36: der Band Neue Werte.

00:24:38: Alle, die den NSU noch kennen, haben vielleicht mal das Bekenner Video

00:24:42: im Hinterkopf, wo dieses Zynische mit diesem Paul-Clem-Panther,

00:24:47: die Musik, die da läuft, ist von dieser Nazi-Band Neue Werte.

00:24:51: Und der ehemalige Nichtsänger, ich glaube, Basistisch,

00:24:54: dieser Band, der hat den Zentrum Automobil gegründet.

00:24:57: Und das ist so eine Pseudengewerkschaft,

00:24:59: die versucht, im Betrieb, die Iggy Metall zu bekämpfen.

00:25:04: Und versucht da ...

00:25:05: in den Betriebsräten hochzukommen.

00:25:08: Wenn ich in eine Gewerkschaft gehe, verspreche ich mir davon irgendwas.

00:25:11: Gewerkschaft ist ja nun mal für da, Arbeitnehmerinnenrechte zu stärken.

00:25:16: Rechte Gewerkschaft ist doch völlig paradox.

00:25:19: Genau, es ist paradox, weil am Ende so was wie eine Betriebsgemeinschaft

00:25:23: herauskommt, ähnlich wie es im Nationalsozialismus,

00:25:27: die NS-Betriebsgemeinschaft gab, wo am Ende die Arbeitnehmer

00:25:31: das Opfer zu bringen haben für das größere Wohl des Betriebes.

00:25:35: Wo man eigentlich nicht mehr so viel mitbestimmen kann,

00:25:38: sondern an seiner Stelle eben auch wieder soldatisch seine Pflicht zu erfüllen hat.

00:25:43: Was die aber machen, die arbeiten gar nicht mit Rassismus.

00:25:46: Da hätten sie zum Beispiel in Großinvestigieren großbetriegen

00:25:50: keine Chance, weil die Belegschaft sehr multikultig quasi ist.

00:25:54: Sondern was die eben auch wieder machen,

00:25:56: ist, sie arbeiten sehr stark mit Beschwörungsmotiven.

00:26:00: Die IG Metall wäre ein Teil des Regenbogenimperiums,

00:26:05: das daran arbeitet, die deutsche Wirtschaft zu zerstören.

00:26:08: Regenbogenimperium hat was mit Queerfeindlichkeit zu tun?

00:26:12: Ja, genau, da wird ganz viel subsumiert.

00:26:14: Meistens irgendwie, dass es aus Amerika kommt.

00:26:17: Queer und Besitzstand hat ja jetzt gerade mal nicht so ganz viel miteinander zu tun.

00:26:22: Genau, aber das wird in der Verschwörungstheorie alles verkuttelt,

00:26:26: dass es quasi böse, dunkle Mächtige.

00:26:29: Meistens amerikanisches Kapital.

00:26:32: Und dann in meinen Interviews kommt man dann irgendwann auch immer

00:26:36: zu jüdischen Großkapitalisten wie Sorge

00:26:41: oder der Familie Oppenheimer oder die Bankhäuser,

00:26:44: die ja da hinter allem stecken würden.

00:26:48: Und die wollen die deutsche starke Wirtschaft kaputt machen,

00:26:52: damit sie nicht mehr diese Konkurrenz,

00:26:55: diese starke, ökonomische Konkurrenz haben.

00:26:58: Und dazu dient auch das ganze Queergedöns,

00:27:00: in deren ihre Sichtweise jetzt nennen das ...

00:27:03: Ein Anführungsstrich, fast Zitat.

00:27:07: Weil es auch dazu führt in ihren Augen,

00:27:10: dass die deutsche Bevölkerung sich nicht mehr ausreichend reproduziert,

00:27:14: dass die Frauen weniger Kinder kriegen.

00:27:16: Das ist genauso auch Feministinnen worden da,

00:27:19: quasi mitverarbeitet in diesen Waren.

00:27:22: Und da wird eben auch die Hygometall mit subsumiert.

00:27:26: Weil natürlich die Hygometall versucht,

00:27:28: in diesem Arbeiter-Milieu natürlich auch,

00:27:31: Geschlechter, Gleichberechtigung usw. durchzusetzen.

00:27:35: Die Metall ist ja schon ein sehr demokratieorientierter Akteur

00:27:39: und versucht es auch in den Milieus zu vermitteln.

00:27:43: Und hat da auch immer auch Mehrheiten auf den Gewortschaftstagen

00:27:47: für solche Dinge.

00:27:49: Und sowas wird natürlich genutzt,

00:27:51: um sie diesen feindlichen Imperium

00:27:55: eben dem Regenbogen Imperium zuzuordnen.

00:27:58: Und die machen dann zum Beispiel Verraten den Verbrennermotor.

00:28:02: Also das ist, glaube ich, gerade ein Motiv in der Autoindustrie.

00:28:06: Hygometall hat wirklich gesagt,

00:28:08: wir müssen uns jetzt auf die Transformation einlassen.

00:28:13: Und die Zukunft gehört nicht dem Verbrenner,

00:28:15: weil eben in der E-Urwart es ja auch recht wird,

00:28:18: dass das Verbrenner auskommt.

00:28:20: Und dann hat die Hygometall über Betriebsratsbefragungen

00:28:24: festgestellt, dass in noch nicht in vielen Betrieben

00:28:27: die Realität angekommen ist und sich Betriebe überlegen,

00:28:31: was mache ich in der Transformation?

00:28:33: Und dann hat die Hygometall natürlich schon auch gesagt,

00:28:36: wir müssen uns auf die Transformation einlassen.

00:28:39: Dann hat sie bekannt zu diesem Verbrennerende.

00:28:42: Und das wurde natürlich auch von den rechten Gruppen

00:28:45: massiv aufs Boot geschmiert.

00:28:46: Weil natürlich auch die Diskussion um Klimawandel

00:28:49: und Transformation für die Rechten

00:28:51: ist auch nur eine Strategie des bösen Imperiums ist,

00:28:55: um Deutschland quasi zu schaden.

00:28:58: Also, wenn man diese ganzen Geschichten hört,

00:29:00: das ist ja so eine, wie soll ich es nennen?

00:29:03: Wie sage ich es so einigermaßen, soziale Pferde?

00:29:06: Gequirlte Kacke.

00:29:08: Ja, wenn ich den Klimawandel ...

00:29:10: Wie geht es Ihnen, wenn Sie das jetzt immer wieder hören?

00:29:13: Sie wollen damit wissenschaftlich umgehen.

00:29:15: Kann man das überhaupt irgendwie wissenschaftlich zusammenbringen?

00:29:19: Weil es widerspricht sich doch auch ständig.

00:29:21: Wenn man das eine durchziehen würde von dem, was Sie fordern,

00:29:24: würden Sie damit das andere total kaputt machen.

00:29:26: Es funktioniert doch vorne und hinten nicht,

00:29:29: was Sie sich vorstellen.

00:29:30: Wie gehen Sie da jetzt für sich mit um?

00:29:32: Es funktioniert nicht, wenn man so ...

00:29:34: Also, da komme ich wieder zurück zu dem Weltbild.

00:29:37: Wenn man ein bestimmtes Weltbild hat,

00:29:39: wenn man zum Beispiel wie wir, ich sage jetzt mal so, wie wir,

00:29:43: wenn man wirklich glaubt, es gibt den menschgemachten Klimawandel,

00:29:46: der findet statt, den sollten wir vielleicht besser versuchen,

00:29:50: und dann schreibe ich dieses Bild, haben wir gemeinsam.

00:29:53: Wir haben natürlich eine ganz andere Wertekundlage.

00:29:56: Aber wenn man jetzt ...

00:29:57: Sie müssen sich da reinversetzen, wenn das jetzt jemand ist,

00:30:00: der daran gar nicht glaubt, der glaubt,

00:30:02: das ist eine Strategie von irgendwelchem ostkrischen Kapital,

00:30:06: wie die das nennen.

00:30:07: Aber in dem Weltbild müssen Sie sich irgendwie erklären,

00:30:11: wenn man nicht an den Klimawandel glaubt, warum

00:30:14: sollten so erfolgreiche Industrie auf einmal

00:30:18: so massiv umgebaut werden?

00:30:20: So eine erfolgreiche Industrie,

00:30:22: wie die Automobilindustrie in Deutschland.

00:30:25: Genau.

00:30:26: Wobei, wenn Sie jetzt genau beobachten würden,

00:30:28: und deswegen ist dann immer doch der Unterschied,

00:30:31: dass sich, glaubt, Arbeiter, die demokratische Parteien wählen,

00:30:35: haben dann doch noch eine höhere Kompetenz.

00:30:37: Wenn man sich die Absatzzahlen für Verbrenner in China anguckt,

00:30:41: muss man sich eh neu aufhinden.

00:30:42: Man verkauft ja die Verbrenner gar nicht mehr.

00:30:45: Aber das wird dann natürlich auch ausgeblendet.

00:30:48: Von daher ...

00:30:49: Genau, bei vielen Fakten wird die Realität einfach ausgebildet.

00:30:54: Es gibt alternative Wahrheiten, oder wie heißen die Dinge?

00:30:57: Ich mag diese ganzen Begrifflichkeiten gar nicht unbedingt wiederholen.

00:31:01: Zusammenfassend kriege ich aber immer noch nicht

00:31:04: wirklich dieses alternative Weltbild auf die Kette.

00:31:07: Und kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand das schon mal durchgerechnet hat,

00:31:10: dass das funktionieren könnte.

00:31:12: Wir haben eben davon gesprochen,

00:31:14: dass man weniger Importmannie hat.

00:31:16: Aber wie soll es den diesem nationalen Staat gehen,

00:31:20: wenn man das alles umsetzt?

00:31:22: Also, ich sag's mal auch polemisch,

00:31:24: wenn man heute alle Ausländer dazu auffordern würde,

00:31:28: einfach nur einen Tag die Arbeit niederzulegen,

00:31:31: da würden Menschen sterben, in Krankenhäusern.

00:31:35: Da würden Kinder nicht betreut werden,

00:31:37: abgesehen davon, dass ich wieder selber putzen muss.

00:31:40: Genau, aber wenn man diese Dinge, diese Wertgrundlage hat,

00:31:43: ist die Logik, auf die es rausläuft,

00:31:46: ist ja so, Deutschland muss stark und autonom sein.

00:31:49: Und dann stellt man sich das sofort,

00:31:51: man wirft die Atomkraftwolke wieder an, da hat man den Strom,

00:31:55: einigt sich mit Putin wieder auf billiges Gas,

00:31:58: da hat man das Gas für die Warme.

00:32:00: Und dann kann man quasi den industriellen Siegeszug,

00:32:04: den Deutschland mal hingelegt hat, könnte man so wieder aufbauen.

00:32:08: Wenn wir dann alle ganz viele SUVs kaufen?

00:32:11: Genau, zum Beispiel, das finde ich auch,

00:32:13: was Sie gerade gesagt haben,

00:32:14: diesen ganz gravierenden Ding, wenn wir keine Zuwanderung haben,

00:32:17: haben wir keine Arbeitskräfte.

00:32:19: Nicht nur keine Zuwanderung,

00:32:21: wenn wir die Leute, die da schon da sind, rausschmeißen.

00:32:24: Dann geht sowieso nichts mehr.

00:32:26: Von Prinzip her, aber selbst wenn wir jetzt die Zuwanderung stoppen würden,

00:32:30: was die meisten Studien sagen, geht nichts mehr.

00:32:32: In den letzten, glaubt, zwei Jahren waren alle Neuzugänge

00:32:36: in der Pflege, waren Menschen mit Migrationshintergrund,

00:32:39: oder mit ausländischen Staatsbeugel schafft.

00:32:43: Wer soll das dann machen?

00:32:45: Und es ist ganz spannend,

00:32:47: weil Sie dem natürlich auch was entgegensetzen.

00:32:49: Sie wollen natürlich, dass die Frau wieder vier Kinder kriegt.

00:32:53: Also es gibt so einen Drakat, wo eine schwallere Frau drauf ist.

00:32:56: Und dann steht drüber Fachkräfte, machen wir selber.

00:33:00: Also man will eben wieder zu so einer völkischen Politik,

00:33:04: wo die Frau, die deutsche Frau, gefälligst, vier Kinder zu kriegen.

00:33:09: Anders könnte man das ja gar nicht ausgleichen.

00:33:12: Aber dann ist ja auch schon der syrische Arzt nicht mehr da

00:33:15: und die Orthopäden auch nicht.

00:33:17: Genau, also das ist auch klinisch unrealistisch.

00:33:20: Es rechnet sich alles überhaupt vorne und hinten nicht.

00:33:23: In einem entwickelten Land kann man keine Geburtenraten

00:33:26: von vier oder fünf Kindern erreichen.

00:33:28: Das ist natürlich ...

00:33:30: Wenn man dann noch in der Stadt wohnen möchte, ja okay.

00:33:33: Vier Kinder sind toll, wenn man den Platz hat, überhaupt keine Frage.

00:33:37: Also wir beide sind uns auf jeden Fall einig,

00:33:40: dass das ziemlich erblödsinn ist, dieses Weltbild,

00:33:43: dass es nicht in sich schlüssig ist.

00:33:45: Aber wir kommen ja immer wieder mit Leuten zusammen, die dran glauben.

00:33:49: Das werden ja scheinbar immer mehr.

00:33:51: Was können wir dagegen tun?

00:33:53: Kann man da argumentieren?

00:33:55: Also ich zieh mich meistens zurück und sag einfach nur,

00:33:58: du hab ich definitiv eine andere Meinung,

00:34:00: aber lass uns die jetzt nicht irgendwie hier beim Bier besprechen.

00:34:04: Das würde unschön werden.

00:34:05: Genau das ist der Punkt, wo ich immer vor Augen führen muss,

00:34:09: dass dieses Weltbild für die Leute eine Funktion hat.

00:34:12: Dass sie sich selber aufwerten.

00:34:14: Ich glaub, es ist immer schwierig, Menschen von was abzubringen,

00:34:18: mit was sie sich eigentlich ganz wohl fühlen.

00:34:20: Wobei, es gibt auch Studien,

00:34:22: dass Menschen, die sich viel mit zur AfD-Inhalten beschäftigen,

00:34:26: auch psychisch ein Stück weit runter leiden,

00:34:29: weil es ja alles auch sehr negativ ist.

00:34:31: Wenn sie immer mit Verschwörungen ...

00:34:34: Man beschäftigt sie auch immer mit dem Niedergang Deutschlands.

00:34:37: Also die Leute, die diesen Theorien glauben,

00:34:40: für die ist es psychisch kräzlich.

00:34:42: Für die ist es eigentlich auch nicht so gesund.

00:34:45: Da gibt es sogar Studien dazu.

00:34:47: Aber vom Prinzip her lassen sie nette von ab,

00:34:49: weil sie sich ja schon aufwerten damit.

00:34:52: Aber ich glaub, was wichtig wäre,

00:34:54: wäre schon, wenn wir auch in unserem Alltag,

00:34:57: jeder kennt das inzwischen, Familienfest und irgendein Onkel,

00:35:01: fängt an, dass er heute niemand mehr arbeiten will

00:35:04: und die ganzen Ausländer sowieso nicht,

00:35:07: wenn man die alle durchführt und so weiter,

00:35:09: dass man da widerspricht.

00:35:12: Also einfach, wenn man jetzt auch nicht die Energie hat,

00:35:16: in eine Diskussion tief reinzugehen, das auch nicht will.

00:35:19: Ja, weil es auch schwierig ist, da reinzuhaken,

00:35:22: wenn mir jemand was erzählt von irgendwelchen Chips im Kopf.

00:35:26: Was war das noch für Sachen?

00:35:27: Wenn man dann wenigstens schon mal so was sagt wie du,

00:35:31: ich bin da ganz andere Meinung.

00:35:33: Das kann ich so gar nicht stehen lassen.

00:35:35: Aber lass uns ein anderes Mal drüber reden,

00:35:37: ich hab jetzt nicht die Energie oder so.

00:35:39: Das wäre der erste Punkt. - Das heißt, dass man Haltung zeigt.

00:35:42: Haltung zeigt, glaube ich.

00:35:44: Und der zweite Punkt wäre natürlich,

00:35:47: wenn man wirklich öfters widersprechen will,

00:35:49: dass man sich schon auch so ein bisschen Technik zulegen kann

00:35:53: oder so Trainings, als gibt es zum Beispiel Aufstehen gegen Rassismus,

00:35:57: das ist so eine Organisation, die verschiedene Gruppen mal

00:36:01: ins Leben gerufen haben, Umweltschutzgruppen, Gewerkschaften und so weiter.

00:36:06: Da, wenn man auf die Seite geht, da kann man auch Team,

00:36:09: quasi sich holen, die so Stammtischkämpfer Trainings heißt das.

00:36:14: Also, diese Argumentationstraining eingeben.

00:36:20: Und zwar ist die Idee dahinter folgende,

00:36:23: das sind jetzt keine Trainings in verschiedenen Themen,

00:36:26: weil was Sie, Klimawandel oder so, das man da total fit ist,

00:36:30: das hilft total, aber das kann man nicht leisten,

00:36:32: das muss schon jeder selber machen.

00:36:34: Sich die Fakten draufschaffen.

00:36:36: Genau, das hilft bestimmt, wenn man in bestimmten Themen

00:36:39: sich die Fakten aufschafft, wenn da zum Beispiel Umwelt wichtig ist,

00:36:43: man will mit der AfD, Lohnhübert, Klimawandel diskutieren,

00:36:46: dass man sich da ein bisschen Fakten draufschafft.

00:36:49: Weil die haben sich da auch sehr vertieft.

00:36:51: Also, die haben da schon... - Alternative Fakten auswendig gelernt.

00:36:55: Alternative Fakten, aber die haben sie drauf.

00:36:57: Da hilft es natürlich schon, wenn man ein paar Faktenchecks im Kopf hat.

00:37:00: Aber was diese Trainings machen,

00:37:03: die helfen noch mal so ein bisschen,

00:37:05: die Schrecksekunde zu überwinden,

00:37:08: also, dass man so Inhalte schon mal kennenlernen

00:37:10: und auch den Schreck verliert.

00:37:12: Was geht denn der für ein Bundeszeug?

00:37:14: Dass man da nicht so schockiert ist.

00:37:17: Und sie geben einem so ein bisschen Techniken an die Hand.

00:37:19: Also, zum Beispiel Nachfragen.

00:37:22: Wenn Sie Nachfragen, können Sie das Gesprächen ein bisschen leiten.

00:37:26: Man kann uns vielleicht auch zu dem Thema hin leiten,

00:37:28: wo man jetzt mehr Ahnung hat oder wo man dann besser sprechen kann.

00:37:32: Dann, wenn Sie auch mal Nachfragen und mal zuhören,

00:37:34: dann erreichen Sie vielleicht mit so jemanden,

00:37:37: auch wenn er ihnen auch ein bisschen näher steht,

00:37:39: vielleicht mal eine empathische Ebene.

00:37:41: Weil ich glaube, ohne die gilt es auch nicht unbedingt,

00:37:44: dass man auf eine produktive Weise über konfrontatives Zeug spricht.

00:37:49: Also, im Prinzip, wenn ich mein Gegenüber nicht ernst nehme,

00:37:52: dann kann ich ihn natürlich auch nicht vom Gegenteil überzeugen.

00:37:55: Genau, vom Gegenteil überzeugt vielleicht einfach mal zu Denken geben,

00:37:59: aber auch das, wenn man anderen zu Denken geben will,

00:38:03: erreicht man auch besser,

00:38:04: wenn irgendwie eine Bindung besteht zwischen den Menschen.

00:38:07: Aber ich meine, man lebt ja gerade oft selbst im narschen Bereich,

00:38:11: dass solche Diskussionen aufkommen.

00:38:14: Genau, was auch immer hilft,

00:38:15: ist natürlich sich Verbündete dann suchen in der Situation,

00:38:19: dass man noch mal jemand hat.

00:38:21: Also, meistens passieren solche Diskussionen ja auch vor anderen,

00:38:25: dass man sich dann irgendwie Verbündete sucht,

00:38:28: indem man andere anspricht, siehst du das nicht aus,

00:38:31: kann natürlich nach hinten losgehen.

00:38:33: Genau, die Vision hatte ich auch gerade,

00:38:35: wenn ich mich dann auf einer Familienfeier wieder finde,

00:38:38: wo ich dann plötzlich alleine da stehe,

00:38:41: suche ich mir eine andere Familie.

00:38:43: Dann kann man ja immer noch irgendwie den Exit wählen und sagen,

00:38:46: ich sehe das ganz anders, aber lassen wir es,

00:38:49: ich gehe jetzt lieber noch mal ans Buffet oder so.

00:38:52: Mhm.

00:38:53: Aber Haltung zeigen ist, glaube ich, schon mal ein erster Schritt,

00:38:56: damit sich in so Grunden dessen nicht immer so etabliert

00:38:59: und dann ausbreitet und eben zum Kommen-Sense wird.

00:39:03: Ich glaube, da ist schon mal die erste gute Tat,

00:39:05: wenn man da so ein beschwörungstheoretischen

00:39:08: oder rechtsextremen Kommen-Sense durchbricht,

00:39:11: indem man einfach Haltung zeigt.

00:39:13: Wie ist diese Homepage noch mal,

00:39:15: die wir natürlich auch in den Shownotes verlinken?

00:39:18: Also aufstehen gegen Rassismus,

00:39:20: das heißt die Organisation.

00:39:22: Es gibt auch noch andere, aber das ist jetzt das, was ich kenne,

00:39:25: was ich auch manchmal selber mache als Team,

00:39:28: genau diese Trainings, diese Stammtischkämpfer-Trainings.

00:39:32: Stammtischkämpfer-Trainings.

00:39:33: Das gefällt mir total gut.

00:39:36: Das ist ein schöner Kampfbegriff.

00:39:38: (Lachen)

00:39:39: Genau.

00:39:40: In ihrer Arbeit als Gewerkschaftssekretär

00:39:43: kommen Ihnen da jetzt auch öfter Menschen unter

00:39:47: wo Sie denken, oh je.

00:39:49: Also wenn Sie jetzt wirklich als Gewerkschafter arbeiten,

00:39:52: haben Sie da öfter mit Menschen zu tun und wie reagieren Sie dann?

00:39:56: Also da muss man dann auch gucken, ob man es an der Stelle

00:39:59: thematisieren will und kann.

00:40:01: Normal sind die Gewerkschaften so,

00:40:04: dass wir mehrheitlich auf den Gewerkschaftstage

00:40:06: immer noch Beschlüsse fällen können,

00:40:08: die durch und durch Demokratis sind.

00:40:10: Und es hilft auch, wenn man natürlich sagen kann,

00:40:13: hier Beschlusslage bei uns ist aber so und so.

00:40:16: Das hilft auch in den Diskussionen nach wie vor.

00:40:19: Und dann muss man sich eben auch eben diese Überlegung machen.

00:40:23: Welche Situation bin ich gerade,

00:40:24: kann ich das jetzt gut bearbeiten?

00:40:27: Oder mulch ich mir den und wir sagen,

00:40:29: wir sprechen demal in einem entspannteren Rahmen an oder so?

00:40:33: Das ist schon, da muss man immer sehr gut überlegen.

00:40:36: Das ist wahrscheinlich so in den verschiedenen Gremien

00:40:39: und in den verschiedenen Ebenen.

00:40:41: Aber so grundsätzlich ist es so,

00:40:43: dass die rechtlichen Arbeiter auch eher nicht

00:40:46: in den Gewerkschaften organisiert sind,

00:40:48: wenn ich das richtig verstanden habe, oder?

00:40:50: Sie sind oft drin.

00:40:52: Also aus Sicherheitsdenken so ein Stück weit.

00:40:55: Sie sind öfters welche drin,

00:40:57: aber sie sind nicht besonders aktiv.

00:40:59: Sie streiken nicht mit oder sind das sehr skeptisch,

00:41:02: sind nicht im Betrieb irgendwie in der Vertrauensgruppe oder so.

00:41:06: Es gibt so auch, der sozylologiklaus Döhrer beschreibt es,

00:41:10: z.B. bei Opel Eisenach oder so in Thüringen.

00:41:13: Hat der da Betriebsräte kennengelernt,

00:41:15: die organisieren am Wochenende im Bus zu Brigida

00:41:18: und sind dann wieder bei Streiks ganz wichtige Personen.

00:41:21: Aber ich glaube, dass das für die große Menge der AfD-Arbeiter

00:41:26: so nicht zutrifft, sondern dass die eher durch ihre autoritäre Prägung

00:41:30: immer zurückhalten sind gegen Gewerkschaft, gegen Zielen.

00:41:34: Und so die Gewerkschaft ist eigentlich immer klare Kante

00:41:37: gegen rechts und gegen Ideologien. - Ja, genau.

00:41:41: Aber so eine offene Tür für die einzelnen Kolleginnen und Kollegen.

00:41:45: Also quasi man lässt nicht zu,

00:41:47: dass sie jetzt agitieren könnten mit ihrem Zeug.

00:41:51: Das würde man auf jeden Fall unterbinden.

00:41:53: Aber man versucht trotzdem, in dem Gespräch zu bleiben,

00:41:57: auf jeden Fall, und sie wieder irgendwie in eine andere Richtung zu bringen.

00:42:01: Okay. - Die Metaller z.B.

00:42:03: auch ein Verein zur Bewahrung der Demokratie.

00:42:06: Das hat da Stellenau geschaffen,

00:42:08: die in so einer Art und Weise arbeiten in den Betrieben.

00:42:11: Wenn man da quasi malt, dann nehmen so Stimmungen überhand,

00:42:15: dass man dann auch da versucht dagegen zu arbeiten

00:42:18: und mit den Leuten im Gespräch wieder,

00:42:20: vielleicht wieder zurückzuwohlen auf den...

00:42:22: Ja, d.h. die Gewerkschaften sind tatsächlich recht nah dran

00:42:26: an diesen Menschen und können vielleicht sogar auch ein bisschen was bewirken.

00:42:31: Also ich glaube, die Gewerkschaften sind sogar die Organisationen in Deutschland,

00:42:36: die noch wirklich an die Gruppierungen rankommen.

00:42:41: Da müssen sie schon extra Gruppierenden gründen, die die aufsuchen, quasi.

00:42:46: Z.B. die EG Metall.

00:42:48: Da muss man schon froh sein, weil es schon noch ein demokratischer Block

00:42:52: in diesen Gruppen ist, wo diese Gruppen erreicht.

00:42:56: Und quasi der Frust der Arbeiter verhandelt wird

00:43:00: und die Erfahrungen, wo man den bearbeiten kann.

00:43:02: Es ist in der Leitzigermitte Studie z.B.

00:43:06: vor zwei Jahren oder so.

00:43:08: Und auch in der Studie von Ulrich Brinkmann, Professor aus Darmstadt,

00:43:13: hat das auch schon festgestellt, dass Betriebe,

00:43:16: die gewerkschaftlich durchdrungen sind, wo man mitarbeiten kann,

00:43:19: wo es einen Betriebsrat gibt und so,

00:43:22: wo die Leute eben demokratische Autonomie entwickeln

00:43:24: und Mitbestimmung entwickeln.

00:43:26: Wenn das in Unternehmen durch die Mitbestimmung von Gewerkschaften da ist,

00:43:30: dann ist die Anfälligkeit der Leute dafür rechtsextremismus,

00:43:34: dass es wirklich geringer ist.

00:43:36: Das bringt auch schon was.

00:43:38: Sie machen mir jetzt gerade ein bisschen Hoffnung.

00:43:41: Ja.

00:43:42: Ich habe auf jeden Fall ganz, ganz viel gelernt.

00:43:45: Und Ihren Gewerkschaftern,

00:43:47: gönnen Sie halt allen einen Stammtischkämpfer Training?

00:43:51: (Lachen)

00:43:52: Genau, so was kann man auch, wenn man selber im Betrieb auch ist.

00:43:56: Auch wenn Sie jetzt nichts mit Gewerkschaft am Hut haben,

00:43:59: aber Sie haben drei Kollegen oder vier und sagen,

00:44:02: da mal so ein Training, dann kann man aufstehen gegen Rassismus,

00:44:05: anschreiben und sagen,

00:44:07: ob die zwei Tieren vorbeischicken können.

00:44:10: Ja, wunderbar.

00:44:12: Ich sage ganz, ganz vielen Dank für diesen Einblick in ein Weltbild.

00:44:16: Von dem ist mir lieber gewesen wäre, wenn das niemand hätte

00:44:20: und dass ich nach wie vor nicht nachvollziehen kann.

00:44:22: Jeder Einzelne kann auf jeden Fall ein bisschen was dagegen tun.

00:44:26: Zuallererst gehen Sie alle zur Wahl,

00:44:28: machen Sie ihr Kreuz bei einer demokratischen Partei

00:44:31: und machen Sie auch mal den Mund auf,

00:44:33: wenn im Bekanntenkreis jemand anfängt, Faschistoid zu schwurbeln.

00:44:37: Und wenn es nur ist, indem Sie Haltung zeigen,

00:44:39: haben wir gerade gelernt.

00:44:41: Und machen Sie vielleicht ein Stammtischkämpfer Training.

00:44:44: Ich finde diesen, nicht nur diesen Namen wunderbar.

00:44:47: Und ich sage vielen Dank zu Bias Kaffeege.

00:44:49: Gerne auch Ihnen vielen Dank für die Einladungen.

00:44:52: Und wir sind jetzt ganz gespannt,

00:44:54: was dir zur Sahnpräse es Michael Wagner zum Thema zu sagen hat.

00:44:58: Ich sage schon mal, danke fürs Zuhören.

00:45:00: Wir sehen uns zum nächsten Mal Ihre Brigitte Strauß.

00:45:02: Kapum, der Denkanstoß mit KAW-Diocesan-Prizes Michael Wagner.

00:45:08: Das Paradies auf Erden.

00:45:13: Das Land, in dem immer Honig fließt,

00:45:15: die gebratenen Tauben einem in den Mund fliegen,

00:45:18: wird dräumt nicht davon.

00:45:20: Der Blick aufs Paradies verzaubert den dristen Alltag.

00:45:24: Doch die Zukunft, die einem auf Erden versprochenen Paradies folgt,

00:45:30: wirkt meist mehr als entzaubernd.

00:45:33: Oder mit dem Philosophen Karl Popper gesprochen?

00:45:37: Der Versuch, den Himmel auf Erden einzurichten,

00:45:41: erzeugt stets die Hölle.

00:45:44: Der Blick ins vergangenen Jahrhundert

00:45:47: offenbart uns zwei Unternehmungen,

00:45:49: die ein höllisches Paradies erschufen.

00:45:52: Der Nationalsozialismus in Deutschland

00:45:55: und der Stalinismus in Russland.

00:45:58: Der Stalinismus wirkte sich zudem dann auch noch sehr stark aus

00:46:02: auf die DDR.

00:46:04: Solche Systeme sind geprägt von Disziplin.

00:46:09: Es herrscht eine Autorität, ein Führer, eine Partei

00:46:12: oder beides in Kombination.

00:46:14: Ohne wenn und aber wird ihren Befehlen gefolgt.

00:46:19: Das nennt man dann seine Pflichttun.

00:46:23: Disziplin und Autorität haben Geschichte in Deutschland.

00:46:27: Dennoch das Deutsche Reich wurde von beiden geprägt.

00:46:31: Kinder und Gefangene kamen Zuchtanstalten.

00:46:34: Psychisch krank geschloss man einen Heilanstalten.

00:46:38: Die Jugend wurde gedrillt in den Lehranstalten.

00:46:42: Die Gesellschaft glicht einer Anstalt.

00:46:45: In ihr war alles geregelt.

00:46:47: Es wurde strengst überwacht, ob jeder Mensch das auch leistete,

00:46:51: was von ihm erwartet worden ist.

00:46:54: Haben wir das aber nicht hinter uns gelassen?

00:46:58: Leben wir nicht in einer Gesellschaft,

00:47:00: die auf den Werten einer freiheitlich demokratischen Grundorten basiert?

00:47:06: Warum erstarken dann weltweit rechtsextreme

00:47:10: und autoritäre Parteien und Bewegungen?

00:47:13: Ein wesentlicher Grund ist,

00:47:15: das Fundament des herrschenden Neoliberalismus ist autoritär,

00:47:20: antidemokratisch und leistungszentriert.

00:47:24: Leistung ist die neue Autorität.

00:47:27: Sie befiehlt, wenn nichts leistet, ist nichts wert.

00:47:31: Dabei hat sich die Ausbeutung verlagert.

00:47:36: Dass ich steht im Vordergrund,

00:47:39: der Unternehmer ist die Idealfigur im Neoliberalismus.

00:47:44: Es braucht keiner äußerer Anstalt mehr,

00:47:47: um zu disziplinieren.

00:47:49: Das Ganze ist nun nach innen hineingerichtet.

00:47:53: Ich selber optimiere mich,

00:47:55: lerne mein Leben lang, verbessere meine Leistung stetig.

00:47:59: Ich bin meines eigenen Glückes schmied.

00:48:02: Glaube daran, und du wirst erfolgreich sein.

00:48:07: So lauten die Parolen.

00:48:09: Sie fordern meine absolute konstante Disziplin.

00:48:14: Diese ist verinnerlicht und wird nicht mehr hinterfragt.

00:48:18: Volklich muss ich doch erfolgreich sein,

00:48:21: wenn ich nur genügend leiste.

00:48:23: Wenn nicht, hindert mich jemand anderes daran.

00:48:27: Oder erstielt mir meinen Lohn der Pflichterfüllung.

00:48:32: Hinzu kommt, die Welt hat sich verändert.

00:48:36: Heute funktioniert vieles nicht mehr so,

00:48:39: wie es einmal funktioniert hat.

00:48:41: Andere Zeiten, andere Sitten, andere Lösungen, andere Techniken.

00:48:47: Vieles funktioniert heute nicht mehr so wie damals.

00:48:51: Und wenn ich von der Zukunft nicht mehr viel erwarte,

00:48:54: bleibt nur eines.

00:48:56: Ich erwarte alles aus der Vergangenheit.

00:48:59: Ich sehne mich wieder zurück nach Sicherheit,

00:49:03: Orientierung und Zuverlässigkeit.

00:49:06: Das Paradies erschafft nicht das Wiederherstellen der Vergangenheit.

00:49:10: Nein, das Paradies auf Erden ist und bleibt Utopie.

00:49:14: Ein Ziel, das ich nie hier auf Erden erreichen werde.

00:49:18: Das hat Christus auch so verkündet.

00:49:21: Weder hat er das Paradies auf Erden versprochen.

00:49:25: Noch hat er versucht, die Vergangenheit seines Volkes Israel zu restaurieren.

00:49:30: Er mahnte vielmehr, las die Toten ihre Toten begraben.

00:49:34: Lebe in Solidarität mit den Mitmenschen.

00:49:38: Folge keiner Autorität blind links auf Erden.

00:49:42: So schaffst du kein Paradies,

00:49:44: aber du wirst ein Leben ermöglichen,

00:49:47: das Mehrfülle für alle bereithält.

00:49:51: Das war "Kabum", ein Podcast der katholischen Arbeitnehmerbewegung

00:49:55: produziert vom St. Michael's Bund.

00:49:57: Wir machen auch Ihren Podcast.

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